Was wenn der „Transformation-Wahn“ vorüber ist?
- Ferdinando De Maria

- 9. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Apr.

Der blinde Fleck der digitalen Transformation
Was mich besonders beschäftigt, ist eine andere Frage.
Während wir über digitale Transformation sprechen, wächst gleichzeitig der Energieverbrauch der digitalen Infrastruktur massiv. Rechenzentren, Cloud-Services, KI-Modelle und Datenströme benötigen enorme Mengen an Strom. Auch der Wasserverbrauch moderner Rechenzentren wird zunehmend zu einem Thema. Kühlungssysteme, Infrastruktur und Energieversorgung sind Teil der neuen digitalen Realität - werden aber selten in den Präsentationen der Transformation erwähnt.
⇨ Transformation hat also nicht nur eine technologische Dimension, sondern auch eine ökologische und gesellschaftliche.
Die Frage lautet deshalb nicht nur:
Was können neue Technologien?
Sondern auch:
Was kosten sie uns - energetisch, ökologisch und gesellschaftlich?
Der neue Humanismus der Unternehmen?
Gleichzeitig beobachte ich eine andere Entwicklung.
Viele Unternehmen präsentieren sich heute als besonders modern, sozial und mitarbeiterorientiert. Besonders dann, wenn es darum geht, neue Fachkräfte zu gewinnen.
Doch ich erinnere mich gut an Zeiten, in denen Arbeitgeber den Ton angaben. Als ältere Mitarbeitende plötzlich als „nicht mehr passend“ galten. Als Menschen austauschbar schienen.
Heute entdecken viele Organisationen plötzlich ihre Fürsorge für Menschen.
Manchmal wirkt das glaubwürdig. Manchmal wirkt es wie eine neue Form der Selbstdarstellung.
Warum Transformation oft scheitert
Nicht jedes Unternehmen ist in der Lage, Transformation erfolgreich umzusetzen.
Viele Initiativen scheitern nicht an der Technologie, sondern an etwas viel Grundsätzlicherem: der inneren Entscheidung zur Veränderung.
⇨ Eine Frage hilft oft, die Qualität einer Transformation einzuschätzen:
War es eine Kopfentscheidung oder eine Bauchentscheidung?
Strategien entstehen im Kopf.
Doch echte Veränderung beginnt meist dort, wo Organisationen bereit sind, auch ihre Denkweisen, Routinen und Machtstrukturen zu hinterfragen.
Die Rolle der Unternehmensentwicklung
Als Unternehmensentwickler sehe ich meine Aufgabe darin, genau an diesem Punkt anzusetzen. Transformation bedeutet nicht nur Digitalisierung.
Sie bedeutet auch:
Strukturen hinterfragen
Entscheidungsprozesse klären
Führung weiterentwickeln
Organisationen lernfähig machen
Und manchmal bedeutet sie auch, eine unangenehme Frage zu stellen.
⇨ Warum tun wir das eigentlich?
Was nach dem Transformationshype bleibt
Der aktuelle Transformationshype wird irgendwann abklingen. Das ist in der Wirtschaftsgeschichte immer so gewesen. Was danach bleibt, sind die Unternehmen, die Transformation nicht als Mode verstanden haben, sondern als kontinuierlichen Entwicklungsprozess.
Unternehmen, die sich nicht nur technologisch verändern, sondern auch:
ihre Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden ernst nehmen
ihre ökologische Wirkung reflektieren
ihre strategischen Entscheidungen ehrlich hinterfragen.
Vielleicht ist die wichtigste Frage der kommenden Jahre deshalb nicht:
Wie digital ist ein Unternehmen?
Sondern:
Wie bewusst entwickelt es sich weiter?
E-Mail: info@ferdinandodemaria.com




Kommentare